Was ist „Kreativität“ wirklich?

Ein kleiner Rückblick auf eines unserer letzten Salongespräche…

Was ist Kreativität wirklich? Eigentlich doch nichts besonderes, oder?

Eine in jedem Menschen natürlich angelegte Gestaltungskraft und Erfindungslust, ein intensiveres „Ichgefühl“, sowie eine individuelle Empfindung, der plötzliche Funke, die Eingebung, das intuitive (Bauch-) Gefühl! In praktischer Hinsicht ist Kreativität vor allem die Fähigkeit zu Perspektivenwechsel und ein „Problemlösungsverhalten“, was schon vor zigtausenden Jahren in der Evolution seinen Ursprung hatte.

Aus ihr ging alles hervor, was jemals in unserer Welt neu geschaffen wurde. Gerade heute ist sie als elementarer Rohstoff für Innovation wieder dringend gesucht, aber wie geht denn das eigentlich richtig?

Der Bezug zu ihr geht durch bestimmte Einflüsse aus der Gesellschaft und durch das eigene Umfeld sehr oft verloren. Andererseits zeigt sich heute langsam wieder neues Interesse, z.B. bei jüngerer Generationen, die „Verlorenes“, wie z.B. Kreativität, in ihrem Leben suchen.

Zunächst einmal ist sie eine ganz normale, „kerngesunde“ Urfähigkeit und natürliche (Über-)Lebenskompetenz, im Kern geboren als lösungsorientierte Reaktion auf Situationen und Anforderungen der Umwelt. Im weiteren Sinne ist sie auch eine persönliche Intuition und eine individuell gewachsene Mixtur aus Verstand, Emotion und erlebter Erfahrung.

Bis heute gibt es eigentlich keine klare Definition von Kreativität und keine Maßstäbe, nach denen man sie bewerten könnte. Sie wird auch heute immer noch gerne und oft mit Phantasie verwechselt und nicht ganz ernst genommen. Wer kreativ ist, der wird unangenehm, phantasiert, träumt, ist etwas verrückt, unangepasst, realitätsfern, entfernt sich von bewährten Systemen, vom Mainstream, tut nicht das, was man von ihm erwartet!

Kreativität kann nur dann gelingen, wenn man selbst trainiert, die eigenen, persönlichen Kreativ-Impulse bewusst zu erkennen, zu nutzen und weiterzuentwickeln. Dazu braucht es einen ständigen Austausch mit sich und der Umwelt, resultierend aus einer interessierten Haltung, Offenheit und Wachheit. Was hier passiert, ist eine intensivere Wahrnehmung und Verarbeitung von inneren und äußeren Impulsen, Wissen und Lebenserfahrungen in ganz eigener Kombination. Kreativität bildet die elementar wichtige Kompetenz, mit neuen Situationen oder Herausforderungen lösungsorientiert umgehen, sowie dem menschliche Bedürfnis nachgehen zu können, sich persönlich auszudrücken und in etwas einzubringen.

Sie hat zudem ganz viel mit Sinnhaftigkeit, einer selbstbestimmteren Lebensführung und einer grundlegenden Lebenseinstellung zu tun. Sie lässt sich nicht kurz mal abrufen oder aufsetzten, indem man originell erscheint. Zudem ist sie ein schwer greifbares und flüchtiges Phänomen, und dann hat sie auch noch etwas mit Emotionen zu tun! Sie macht sich oft erst in Situationen bemerkbar, in denen man schon wieder Abstand zu den Aufgaben, Themen, Problemen gewonnen hat. Aber sie braucht schon ein wenig Struktur!

Wie erlebt man Kreativität? Nun, in jedem Fall in der eigenen Vorstellungskraft, für deren Entwicklung man selbst schon sehr viel tun kann! Sie zeigt sich gerne während der Kommunikation mit anderen Menschen, im spontanen Tun und oft schon beim Anfangen. Das setzt natürlich die grundsätzliche Bereitschaft voraus, selbst loszugehen, von sich aus etwas zu unternehmen, anstatt sich nur passiv führen und mit treiben zu lassen.

Soziale Integrität, Wertschätzung, Ruhe, Gelassenheit, Entschleunigung, Abstand, eigene Werte, eine „gesunde Insel“ oder kleine Rituale, sind sehr wichtige Voraussetzungen! Systematik, Methodik, Druck, Monotonie, Erwartung und Stress können wahre „Kreativitätskiller“ sein…. aber manchmal auch ihre Förderer!

Kreativität lässt sich trainieren, aber leider kaum gefügig machen, und der Weg zu einer kreativen Haltung alles andere als einfach. Ohne eine gute Portion Mut zum Anderssein, eine offene und unvoreingenommene Einstellung der Welt gegenüber, ohne Engagement, Wille und Durchsetzungskraft, stetiges Üben, Selbst-Herausforderung, Bereitschaft zum Scheitern, zu Risiken und Fehlern, Konflikten, Kritik, Hindernissen, mehr Gegenwind, Grenzen, Entscheidungen und einen gewissen Bezug zu sich selbst geht es leider gar nicht!

Oh, doch irgendwie unbequem, ohne Schema und komplexer! Was habe ich denn davon? Immer kreativ sein, das geht nicht! Ein echter Irrglaube, dass mit „angeschalteter“ Kreativität nur frische Ideen fließen. Sie ist viel, viel mehr als das! Sicher ist sie nicht immer zu gebrauchen, doch lässt sie sich auch nicht ganz isolieren, sondern tangiert auch die ganze Persönlichkeit. Sie geht mit einer übergreifenden Einstellung einher, macht das Dasein „reicher“, bunter, vielfältiger, spannender und viel erfüllter… auch wenn man sie in vielen Arbeitsbereichen, zum Bügeln oder Autofahren wirklich nicht braucht.

Eine kreativere und damit auch selbstbestimmtere, eigenverantwortlichere Lebensgestaltung hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern ist eher eine Pflicht sich selbst gegenüber. Sie fördert die Entwicklung wichtiger Kompetenzen, beeinflusst die Position dem eigenen Leben gegenüber. Außerdem ist der Vorgang der Kreativität nichts anderes als das Lösen von verfestigten Wegen, Denk- und Wahrnehmungsgewohnheiten und das Einnehmen neuer Blickwinkel und Sichtweisen – für unkonventionelle, innovative Lösungen als Ergebnisse!

Ich wünsche mir sehr, dass diese natürliche Selbstkompetenz nicht durch Wissenschaft und kreative Techniken „verkompliziert“, sondern in ihrer Einfachheit begriffen wieder ernster genommen, über natürlichere Wegen weitergegeben und gefördert, sowie mehr in den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fokus rückt. Sonst gibt es irgendwann kaum noch Menschen, die ihren nachfolgenden Generationen noch auf normalen Wege vermitteln können, wie das mit der natürlichen Kreativität eigentlich geht! Aber vielleicht gibt es ja auch dafür schon eine „App“! Was für eine Vorstellung…

Sie ist kein abstraktes Mysterium, sondern eine bis ins hohe Alter entwickelbare und präventive Kernfähigkeit zur eigenverantwortlichen Lebensgestaltung und -bewältigung, die eine sehr große, persönliche Bereicherung sein kann und in vielerlei Hinsicht einen vorteilhafteren, gesünderen Umgang mit sich selbst und anderen prägen dürfte!

Viel Spaß beim Schärfen der Sinne, viel Mut auf allen kreativen (Um-)Wegen!

© Peer Bökelmann

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